{"id":161,"date":"2023-09-14T16:17:26","date_gmt":"2023-09-14T14:17:26","guid":{"rendered":"https:\/\/wistrela.at\/diepraktischehausfrau\/?p=161"},"modified":"2023-09-20T12:49:32","modified_gmt":"2023-09-20T10:49:32","slug":"eine-katzengeschichte-1913","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wistrela.at\/diepraktischehausfrau\/2023\/09\/14\/eine-katzengeschichte-1913\/","title":{"rendered":"Eine Katzengeschichte, 1913"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"808\" height=\"448\" src=\"https:\/\/wistrela.at\/diepraktischehausfrau\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Katze1_800px.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-162\" srcset=\"https:\/\/wistrela.at\/diepraktischehausfrau\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Katze1_800px.jpg 808w, https:\/\/wistrela.at\/diepraktischehausfrau\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Katze1_800px-300x166.jpg 300w, https:\/\/wistrela.at\/diepraktischehausfrau\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Katze1_800px-768x426.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 808px) 100vw, 808px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap wp-block-paragraph\">Die Katze ist ein pr\u00e4chtiges gro\u00dfes Tier mit schwarzem, wei\u00dfgeflecktem, angoraartigem Pelze. Mit sieben Geschwistern kam sie auf die Welt, sie war von allen die Schw\u00e4chste und Unansehnlichste. Gerade dieser Umstand aber scheint sie vor dem sicheren Tode des Ertr\u00e4nktwerdens bewahrt zu haben. Der Zufall f\u00fchrte n\u00e4mlich an ihre Wiege im Hause des Bauern ein B\u00fcbchen, das ein weiches Herz hatte und gar so gern so ein kleines lebendiges Wesen sein eigen genannt h\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Such dir nur eins aus&#8220;, hatte der Bauer gesagt, und das B\u00fcbchen hatte sich das schw\u00e4chliche, schwarze Ding genommen und es ganz heimlich, da\u00df der Vater nichts merkte, in die warme Tasche des v\u00e4terlichen Pelzes gesteckt, der auf dem Kutschwagen drau\u00dfen liegen geblieben war. So w\u00fcrde er das K\u00e4tzchen wohl am sichersten in das v\u00e4terliche Haus schmuggeln und die gestrengen Herren Eltern zwingen, sich der vollendeten Tatsache zu f\u00fcgen. Aber der schlaue Plan w\u00e4re beinahe elend gescheitert. Bei der Heimfahrt war es dem K\u00e4tzchen in der Tasche ungem\u00fctlich geworden, es hatte Turn\u00fcbungen zu machen begonnen und sich gl\u00fccklich an die Oberfl\u00e4che gearbeitet. Da war der kleine S\u00fcnder nun zu fr\u00fch entlarvt und nicht viel h\u00e4tte\u00a0gefehlt, so h\u00e4tte das K\u00e4tzchen durch einen zornigen\u00a0Schwung der Hand das Vaters auf dem Stra\u00dfendamm sein Ende gefunden. Aber die flehende Miene und die Bitten des Kleinen hatten den Vater schnell milde gestimmt, und so hatte das B\u00fcbchen sein K\u00e4tzchen gl\u00fccklich heimgebracht.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anfangs war\u00b4s dem Tier nicht sehr gut gegangen. Unansehnlich und erb\u00e4rmlich war es, und die Eltern keine Katzenfreunde. Erst als es sich herausmachte und zu einem pr\u00e4chtigen Exemplar gedieh, schwand die Abneigung der Hausleute, und es kamen gute Tage f\u00fcr das Tier. Nun k\u00f6nnte man meinen, die wenig sonnige Vorgeschichte des Tieres h\u00e4tte sein Gem\u00fct verfinstert, es mi\u00dftrauisch und heimt\u00fcckisch gemacht. Aber ganz im Gegenteil. Und das ist es, was ich eigentlich erz\u00e4hlen will.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eines Tages speist die Katze im Hof ihren Milchbrei. Da kommt eine andere Katze geschlichen, ein elendes, verkommenes, abgemagertes Gesch\u00f6pf, und legt sich in angemessener Entfernung nieder, mit gro\u00dfen hungrigen Augen nach dem dampfenden Milchbrei blickend. Die gl\u00fcckliche Besitzerin des Breies l\u00e4\u00dft sich zuerst nicht in ihrer Mahlzeit st\u00f6ren. Pl\u00f6tzlich aber h\u00e4lt sie inne, trotzdem sie ihr \u00fcbliches Ma\u00df erst zur H\u00e4lfte verspeist hat, erhebt sich und macht mit einem einladenden Miau der Hungrigen Platz, die sich auch sogleich auf den Rest im Napfe st\u00fcrzt. Am n\u00e4chsten Tag dasselbe Schauspiel, dassselbe schwesterliche Teilen der Mahlzeit mit der Hungerleiderin, und all die folgenden Tage, bis der Fremdling, der zusehends an Umfang und Kr\u00e4ften zunimmt, ausbleibt. Hier hatte die Katze ein treffliches Beispiel von N\u00e4chstenliebe, also immerhin einer Gattungsgenossin gegen\u00fcber gegeben. Aber es kam noch besser.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ihr Hausgenosse war ein Hund, und beide hatten immer nur eben wie Hund und Katze zusammengelebt. Raufszenen zwischen den Beiden waren an der Tagesordnung. Da erkrankte der Hund, und zwar so stark, da\u00df er wahrhaft &#8211; auf den Hund kam. G\u00e4nzlich ersch\u00f6pft lag er im Hofe, verschm\u00e4hte Speise und Trank und r\u00fchrte sich nicht. Jetzt h\u00e4tte unsere Katze triuphieren k\u00f6nnen; denn es war ja offenbar, da\u00df ihr Todfeind in den letzten Z\u00fcgen lag. Aber das tat sie nicht. <\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"791\" height=\"380\" src=\"https:\/\/wistrela.at\/diepraktischehausfrau\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Katze2_800px.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-165\" srcset=\"https:\/\/wistrela.at\/diepraktischehausfrau\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Katze2_800px.jpg 791w, https:\/\/wistrela.at\/diepraktischehausfrau\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Katze2_800px-300x144.jpg 300w, https:\/\/wistrela.at\/diepraktischehausfrau\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Katze2_800px-768x369.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 791px) 100vw, 791px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als sie ihren Milchbrei erhielt, verspeiste sie ihn nur bis zur H\u00e4lfte, entfernte sich mit einem Miau, sprang auf das n\u00e4chste Fensterbrett und setzte sich dort mit der Miene vollkommenene Ges\u00e4ttigtseins nieder, so da\u00df der kranke Hund sie genau beobachten konnte. Und der verstand die Einladung, ging zum Milchbrei, und da dessen D\u00fcnfte seinem geschw\u00e4chten Magen besonders zusagten, machte er sich alsbald daran, ihn auszuschlecken. Am n\u00e4chsten Tag wiederholte die Katze ihr Man\u00f6ver, und immer wieder, bis der Hund die Krankheit \u00fcberstanden hatte und wieder Lebensmut bekam. Auf diese Weise rettete die Katze den Hund vor dem Tode, denn man hatte ihn schon aufgegeben. Der Hund erwies sich in der Folge dankbar, niemals wieder tat er seiner Lebensretterin ein Leid an. Diese andererseits schlo\u00df mit ihm zwar keine Freundschaft, bestand im Gegenteil auf ihren Katzenrechten, aber \u00e4nderte doch insoweit ihre Anschauungen \u00fcber das Verh\u00e4ltnis zwischen\u00a0Katze und Hund, da\u00df sie ihrem Hausgenossen nicht mehr grunds\u00e4tzlich Mi\u00dftrauen entgegenbrachte.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"210\" height=\"114\" src=\"https:\/\/wistrela.at\/diepraktischehausfrau\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Zier29_210px.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-136\"\/><\/figure>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Katze ist ein pr\u00e4chtiges gro\u00dfes Tier mit schwarzem, wei\u00dfgeflecktem, angoraartigem Pelze. Mit sieben Geschwistern kam sie auf die Welt, sie war von allen die Schw\u00e4chste und Unansehnlichste. Gerade dieser Umstand aber scheint sie vor dem sicheren Tode des Ertr\u00e4nktwerdens bewahrt zu haben. 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